Es gibt viele Möglichkeiten, sich in der Kirche zu engagieren! Mehr Infos
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Und hier ist der Text zum Nachlesen:
Verkleiden als Kind
Habt ihr euch als Kinder gerne verkleidet? Ich mochte das unglaublich gern. Ich sehe die Kostümkisten meiner Kindheit vor mir – darin waren jede Menge (meistens zu große) bunte Kleidungsstücke, Hüte, Masken, eine riesige Plastik-Perlenkette, die ganz toll geklappert hat, Sonnenbrillen und Perücken. Zur Faschingszeit holten wir diese Kisten aus dem Keller, wühlten darin und probierten alles Mögliche an. Wir stellten die einzelnen Stücke immer wieder neu zusammen und das Spielen war dann noch abenteuerlicher als sonst.
Inzwischen habe ich selbst so eine Sammlung im Keller, mit selbst gemachten und gekauften Kostümen, aussortierter Kleidung, Haarreifen, Tüchern und vielem mehr. Als meine Töchter noch kleiner waren, kamen die Kisten regelmäßig zum Einsatz – nicht nur im Fasching. Für jedes Rollenspiel fanden sie darin das passende Zubehör und am meisten Spaß machte es natürlich, wenn auch noch ihre Freundinnen zu Besuch waren und sich verkleideten. Ich bin mir sicher, sie haben dieses bunte und fantasievolle Spielen sehr genossen.
Fasching als Erwachsener
Wer mit Erwachsenen über das Thema Fasching redet, erntet die ganze Bandbreite an Reaktionen. Manche sehen die Zeit als gute Gelegenheit zum Feiern und für ausgelassene Partys, ganz egal ob mit oder ohne Verkleidung. Einige freuen sich ganz besonders darauf, tüfteln lange an ihrem Kostüm und freuen sich darauf es auszuführen. Und dann gibt es natürlich auch diejenigen, die entweder das Verkleiden total peinlich finden oder das „gezwungene Lustigsein“ kritisieren. Ganz nach dem Motto – ich lasse mir doch nicht von einer Jahreszeit sagen, wann ich lachen soll.
Ich kann diese Gedanken schon nachvollziehen – und gerade das Verkleiden macht ja auch wirklich nur dann Spaß, wenn man sich damit wohlfühlt. Aber beim Thema Lachen und Lustig sein denke ich mir dann wieder … könnten wir davon nicht alle, ganz grundsätzlich, etwas mehr vertragen? Ein bisschen mehr Leichtigkeit, öfters mal einfach so loslachen und Kleinigkeiten lustig finden. Und sich selbst ein kleines bisschen weniger ernst nehmen. Dabei könnte uns der Fasching ja vielleicht helfen.
In fremde Rollen schlüpfen
Sich verkleiden und dabei in andere Rollen schlüpfen muss übrigens nicht automatisch etwas mit Fasching zu tun haben. Das zeigt unter anderem der aktuell große Trend im Bereich Fantasyliteratur. Bücher mit Drachen, Feen und Magie sind nicht nur besonders beliebt – ihre Leserinnen und Leser kommen in Kostümen oder mit passenden Accessoires zu Buchpräsentationen und Lesungen oder besuchen spezielle Themenveranstaltungen. Es gibt inzwischen sogar eigene Kostümbälle passend zu den Fantasiewelten und – charakteren der Bücher.
Warum ist es für viele Menschen so spannend, in komplett fremde Welten abzutauchen und sich in Fantasiefiguren hineinzudenken? Zum Teil ist es wohl einfach eine Entspannung und Alltagsflucht. Aber ich denke, man kann dabei auch einiges über sich selbst lernen. Wer in andere Rollen schlüpft, gerade wenn sie besonders fantasievoll sind, entdeckt vielleicht neue Seiten an sich selbst oder lernt sich neu und anders kennen. Das Experimentieren mit anderen Rollen kann uns neue Sichtweisen und Perspektiven eröffnen – und es liefert uns mitunter wichtige Impulse für Veränderungen im ganz normalen Alltag.
Masken im Alltag
„Erstaunlich, dass der Mensch nur hinter seiner Maske ganz er selbst ist.“ Dieses Zitat wird dem berühmten Schriftsteller Edgar Allen Poe zugeschrieben und es hat mich nachdenklich gemacht. Verstecken wir unser eigenes Gesicht im Alltag hinter Masken, ohne es wirklich wahrzunehmen? Wahrscheinlich ist das wirklich so. Je nachdem in welchem Umfeld wir uns gerade bewegen, ob unter Freundinnen, in der Arbeit oder wenn wir Urlaub machen – jedes Mal kommen bestimmte Facetten unserer Persönlichkeit stärker zum Vorschein und gewisse Teile versuchen wir eher zu verstecken.
Wir haben wohl, geprägt von unserem Umfeld, genaue Vorstellungen wie wir in einzelnen Situationen „zu sein haben“. Was andere von uns erwarten und wie wir dem am Besten entsprechen. Bis zu einem gewissen Maß bieten unsere Alltagsmasken auch Schutz vor Verletzungen oder anderen negativen Reaktionen – diese treffen dann sozusagen auf die Maske und nicht direkt auf uns selbst.
So betrachtet ist es unglaublich wertvoll wenn wir Menschen in unserem Leben haben, bei denen wir keine Masken benötigen. Die unser ganz eigenes, persönliches und – im positivsten Sinne – ungeschminktes Gesicht kennen und bei denen wir ganz wir selbst sein können.
Julia Rust, Katholische Kirche
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